ULRICH SCHAFFER: eine Biografie

Überblick mit Erscheinungsdaten einiger Bücher

1942      in Pommern geboren

1945      Flucht in den Westen

1945-53 in Seebergen, ein kleines Dorf am Rande von Bremen

1953      Auswanderung nach Kanada

1953-55 in der Prärie in Süden von Alberta

1955      Umzug nach Kitimat im Norden von British Columbia

1955-61 Besuch der highschool, interessiert am Sport

1958      erste Schreibversuche

1961      Umzug nach Vancouver, 

                Besuch der University of British Columbia

                intensives Schreiben, Literaturstudium

1964      erste Buchveröffentlichung: ”im gegenwind” Gedichte

1965      Abschluss mit einem B.A. 

                Heirat mit Waltraud Gursche

                Austauschstipendium an die Universität Hamburg

1966      Rückkehr nach Kanada

1966-70 weiteres Studium

1969     Geburt der Tochter Kira

               Ausschluss aus der Freikirche wegen „Irrlehre”

1970     Abschluss des Studiums

               Dozentenstelle für europäische Literatur an einem College bei Vancouver

1971     regelmässige Buchveröffentlichungen Deutschland

1972     Hausbau auf Ridge Drive in Burnaby, einem Vorort von Vancouver

1972     Geburt der Tochter Zilya

1976     „ich will dich lieben”

1977      bis zur Gegenwart: jährliche Lesereisen nach Europa

1978     erster großer Bildband „IM AUFWIND”

1976-1984 acht Buchveröffentlichungen in English

1981      Abschied vom College, freier Schriftsteller und Fotograf

1978     erster großer Bildband „IM AUFWIND”

1976-1984 acht Buchveröffentlichungen in English

1981      Abschied vom College, freier Schriftsteller und Fotograf

1982      „journal” (Tagebucheintragungen”)

1981-82 Aufenthalt der Familie Schaffer in Deutschland in Rotenburg/Fulda 

1984      Wechsel zum Kreuz Verlag, „Neues umarmen”

                Bau des zweiten Hauses, 100 Meter hinter dem ersten

1984 bis zur Gegenwart erscheint der große Schaffer Wandkalender

1987      „… weil du einmalig bist”

1971-2007 erscheinen insgesamt 179  Publikationen

1992-94 Waltraud wohnt ab und an in Deutschland und wir besuchen uns gegenseitig

1992 bis zur Gegenwart: häufige Fotoreisen in die amerikanischen Wüstengebiete

1994      „Einsam nachts” Erzählungen

1996      „Im Schutz des Herzens” (Roman)

1997      Umzug nach Gibsons an der Sunshine Coast, nur mit der Fähre zu erreichen

                Bau des dritten Hauses, direkt am Meer,  Einzug in das neue Haus 1998

1999      „Ich habe dich gesucht” buchlange Erzählung

2006      „Handbuch der Mutigen”

2000      erster großer Farbbildband „VISIONS”

2002      Übersetzung von Kahlil Gibran „Der Prophet”

2003      Fotoreise nach Island

2004     „Ich teile den Mond mit dir” Liebesgedichte

2005     Fotoreise nach Neuseeland

2005     zweiter großer Farbbildband „SEHNSUCHT”

2006-07 eine Buchreihe von 10 Büchern zum Thema  „Erfüllt älter werden”

2007     „Unsere so lebendige Liebe” Liebesgedichte für Ältere

2007     dritter großer Farbbildband „SCHÖNHEIT” 

2008     Umstellung auf das digitale Fotografieren

Dies ist ist eine kurze Zusammenfassung meines Lebens, für die, die mich nicht oder nur wenig kennen.  Meine Entwicklung: beruflich, spirituell, zwischenmenschlich.

Ich bin 1942 in Pommern geboren und habe den Krieg mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nur knapp überlebt. Ich habe am 31. Januar 1998 ein Gedicht zu einer Episode aus dieser Zeit geschrieben. Es heißt „Zum Erschießen aufgestellt“ und ich stelle es ans Ende dieser Biografie.

Bis zu meinen 10. Lebensjahr habe ich dann in Seebergen bei Bremen gewohnt. 1953 sind wir als Familie ausgewandert – zuerst in die Weite der kanadischen Prärie in Alberta, dann in den Norden von British Columbia. Dort bin ich zur highschool gegangen. Der Ort Kitimat lag am Rande der Wildnis. Ich bin dort mit Indianern, die von ihrem Reservat kamen, zur Schule gegangen, habe eine Jugend in den Wäldern des Nordens zugebracht und bin davon stark geprägt worden. Ich vermute, dass meine Liebe zur Natur dort gewachsen ist.  Vielleicht auch meine Liebe zur Wildnis. Ich sehe, dass wir die Wildnis brauchen, um gesund zu bleiben. Wir      brauchen Kontakt zu dem, aus dem wir gekommen sind. 

Neben der Wildnis und der Natur interessierte mich der Sport. Ich habe selbst Basketball, Fußball und besonders Leichtathletik betrieben, bis ich mich mit 16 so stark verletzte, dass ich Sport fast ganz aufgeben musste. Um die Zeit herum begann auch mein Interesse an Literatur zu wachsen.  Aus einem fast unerklärlichen Grund besorgte ich mir deutsche Literatur, auch wenn ich schon mit 10 ausgewandert war und ganz im Englischen zuhause war. Aber die europäischen und besonders die deutschen Dichter interessierten mich am meisten. So las ich denn Salvatore Quasimodo, Saint-John Perse, Hans Magnus Enzensberger, Helmut Heißenbüttel und Franz Mon im Norden von British Columbia, wo es um alles andere als Literatur ging. Aus der Zeit stammen auch die ersten Schreibversuche. 

Mit 18 habe ich den Norden verlassen und bin zum Studium in die Großstadt Vancouver gezogen. Ich begann mit einem allgemeinen Studium, konzentrierte mich dann aber bald auf deutsche und englische Literatur. Ich hatte einen Professor, Fred Krügel,mit dem ich bald eng befreundet war, der mich sehr förderte und mich ermunterte, zu schreiben. Ich las die deutschen und englischen Romantiker, Rilke, Goethe, Büchner, die Autoren der Gegenwart und schrieb und schrieb. Mit 20 hatte ich etwa tausend Gedichte geschrieben. Ich konnte mir vorstellen, ein Schriftsteller zu werden (ein wenig träumte ich davon), wusste aber, dass man davon nicht leben kann und man einen „ordentlichen“ Brotberuf brauchte. So studierte ich weiter.

1965 machte ich meinen Abschluss und heiratete im gleichen Jahr auch Waltraud. Ich bekam ein Austauschstipendium des DAAD (Deutschen Akademischen Austauschdienst) und so machten wir unsere Hocheitsreise nach Deuschland und ich studierte zwei Semster an der Universität Hamburg. Wir merkten schon damals, dass wir innerlich eine tiefe Beziehung zu Deutschland hatten, auch wenn wir seit unserem 10. und 15. Lebensjahr in Kanada wohnten. Ich studierte weiter, machte 1970 meine schriftlichen und mündlichen Doktorprüfungen und schrieb eine Doktorarbeit über die österreichische Lyrikerin Christine Lavant. Meine Doktorarbeit wurde als nicht analytisch genug und als zu kreativ beurteilt. Ich verstand die Kritik nicht richtig und wollte nicht auf gut Glück alles überarbeiten. Auch hatte ich bereits 1970 am College zu unterrichten begonnen. Ich hatte das Glück als einer der ersten auf einem neuen College angestellt zu werden. Dort konnte ich Vorlesungen entwickeln, die meinen interdisziplinären Interessen entsprachen. Ich unterrichtete Kurse wie:  „Der Mensch im 20. Jahrhundert und wie er sich in der Literatur ausdrückt“. Es ging also nicht in erster Linie nur um Literatur, sondern um die großen Fragen des Menscheins: Sinnfindung, Einsamkeit, Unbehaustsein in der Welt, Fragen um Gott, Schuld, Vergebung, Freiheit und Verantwortung. 

Nebenbei schrieb ich fast täglich und bekam meinen ersten Vertrag für ein Buch.  Parallel zu meiner Dozententätigkeit veröffentlichte ich in den nächsten zehn Jahren 16 Bücher. 1977 gab mir das College ein Sabbatjahr und ich konnte mich noch intensiver dem Schreiben und Fotografieren zuwenden. 1981 ließ ich mich für ein Jahr beurlauben. In dem Jahr lebten wir als Familie in Rotenburg an der Fulda in Deutschland. Als wir zurückkamen, reichte ich meine Kündigung ein und habe seitdem nur noch vom Schreiben und Fotografieren gelebt.

1983 wurde ich für den Verlag, in dem ich bisher veröffentlicht hatte, theologisch „unhaltbar“ und ich wechselte zum Kreuz Verlag über, wo ich meine Gedanken frei veröffentlichen konnte. In dem Verlag bin ich immer noch, auch wenn ich ab und zu etwas in anderen Verlagen veröffentlicht habe.

Zu meinem Schreiben war schon seit Mitte der siebziger Jahre das Fotografieren dazugekommen. 1978 erschien mein erster großer Bildband: „IM AUFWIND”. 

1997 haben Waltraud und ich uns einen alten Wunsch erfüllt und sind direkt ans Meer gezogen. Wir wohnen in Gibsons an der Sunshine Coast von British Columbia. Man erreicht uns nur mit einer Fähre oder Wasserflugzeug, weil es keine Straße zu diesem Ort gibt. Waltraud und ich kommen meistens jedes Jahr zu Lesungen, Vorträgen und Tagungen nach Europa. Die Verbindung mit unseren deutschsprechenden Freunden ist uns sehr wertvoll. Mit so manchen unserer Freunde haben wir nun schon Jahrzehnte unseres Lebens geteilt. 

nur um Literatur, sondern um die großen Fragen des Menscheins: Sinnfindung, Einsamkeit, Unbehaustsein in der Welt, Fragen um Gott, Schuld, Vergebung, Freiheit und Verantwortung. 

Nebenbei schrieb ich fast täglich und bekam meinen ersten Vertrag für ein Buch.  Parallel zu meiner Dozententätigkeit veröffentlichte ich in den nächsten zehn Jahren 16 Bücher. 1977 gab mir das College ein Sabbatjahr und ich konnte mich noch intensiver dem Schreiben und Fotografieren zuwenden. 1981 ließ ich mich für ein Jahr beurlauben. In dem Jahr lebten wir als Familie in Rotenburg an der Fulda in Deutschland. Als wir zurückkamen, reichte ich meine Kündigung ein und habe seitdem nur noch vom Schreiben und Fotografieren gelebt.

1983 wurde ich für den Verlag, in dem ich bisher veröffentlicht hatte, theologisch „unhaltbar“ und ich wechselte zum Kreuz Verlag über, wo ich meine Gedanken frei veröffentlichen konnte. In dem Verlag bin ich immer noch, auch wenn ich ab und zu etwas in anderen Verlagen veröffentlicht habe. Zu meinem Schreiben war schon seit Anfang der siebziger Jahre das Fotografieren noch intensiver dazugekommen. 1978 erschien mein erster großer Bildband: „IM AUFWIND”. 

1997 haben Waltraud und ich uns einen alten Wunsch erfüllt und sind direkt ans Meer gezogen. Wir wohnen in Gibsons an der Sunshine Coast von British Columbia. Man erreicht uns nur mit einer Fähre oder per Wasserflugzeug, weil es keine Straße zu diesem Ort gibt. Waltraud und ich kommen meistens jedes Jahr zu Lesungen, Vorträgen und Tagungen nach Europa. Die Verbindung mit unseren deutschsprechenden Freunden ist uns sehr wertvoll. Mit so manchen unserer Freunde haben wir nun schon Jahrzehnte unseres Lebens geteilt. 

Das Fotografieren ist weiterhin wichtig geblieben. Ich genieße es, manchmal aus dem Schreiben auszusteigen und mich ganz dem Fotografieren zuzuwenden. Ich gehe dann auf Fotoreisen und bin manchmal bis zu vier Wochen unterwegs. Dann dreht sich alles nur ums Licht. Ich kann dann auch nicht schreiben. Ich bin dann ganz Augenmensch. Ich merke, wie auch das Fotografieren äußerte Konzentration erfordert, wenn die Bilder mehr als nur eine Abbildung der Welt um mich herum sein sollen. Ich versuche die Essenz der Landschaft, eines Baumes, eines Steines mit der Kamera zu erfassen. In den letzten Jahren haben mich diese Reise nach Island, Frankreich, Neuseeland und immer wieder in die Wüstengebiete der USA geführt. 

Ich habe bisher meine Bildbände und Kalender immer mit einer 6×6 Hasselblad und einer 6×12 Linhof Technorama gemacht. Jetzt bin ich dabei in die digitale Fotografie umzusteigen. Ich genieße es, digital die Welt noch einmal neu zu entdecken. Daraus scheint sich ein neuer Fotostil zu entwickeln. Der große Wandkalender 2010 wird die neue Richtung ausdrücken. Er ist schon fertig und wird Ende des Sommers 2009 erscheinen.

Inzwischen sind unsere beiden Töchter 40 und 37 Jahre alt.  Kira hat Psychologie studiert, verdient aber ihr Leben als Performance Künstlerin. Sie macht viel mit Feuer und tanzt in der Luft. Wen das interessiert, kann sie auf ihrer website besuchen: http://www.firebelly.org/ Zilya, deren Namen wir zu ihren Geburt mit „S” schrieben – sie hat sich inzwischen egen der englischen Aussprache für das „Z” entschieden –  ist Ingineur geworden und arbeitet  bei BC Hydro, der Stromversorgung für die Provinz, in der wir leben. Beide wohnen in Vancouver und so können wir uns häufig sehen. 

Schon früh in meinem Leben hat es einige Themen und Beschäftigungen gegeben, die mich erfüllt und begleitet haben. Durch sie und mit ihnen haben Waltraud und ich unser Leben gestaltet. Wir haben sie miteinander geteilt und sie haben uns miteinander verbunden.

Spiritualität ist sicherlich das erste große Thema. Die spirituelle Sicht der Welt hat mich seit meiner Jugend interessiert. Schon als Teenager waren mir Fagen um Gott wichtig, aber ich merkte immer mehr, dass die religiöse Ausrichtung, in der ich aufgewachsen war, nicht reichte. Die inneren Bilder von Gott und Mensch waren mir zu eng. Ich konnte zunehmend nicht mehr in ihnen atmen. Ich brauchte größere Weite. Dabei leitete mich der Wunsch, echt zu sein. Das führte auch zu einer Art inneren Revolution gegen die überlieferten Glaubensinhalte. Es musste     eine Art von Frömmigkeit geben, die das Leben nicht verbot und die den Menschen

Freunde haben wir nun schon Jahrzehnte unseres Lebens geteilt. 

Das Fotografieren ist weiterhin wichtig geblieben. Ich genieße es, manchmal aus dem Schreiben auszusteigen und mich ganz dem Fotografieren zuzuwenden. Ich gehe dann auf  Fotoreisen und bin manchmal bis zu vier Wochen unterwegs. Dann dreht sich alles nur ums Licht. Ich kann dann auch nicht schreiben. Ich bin ganz Augenmensch. Ich merke, wie auch das Fotografieren äußerte Konzentration erfordert, wenn die Bilder mehr als nur eine Abbildung der Welt um mich herum sein sollen. Ich versuche die Essenz der Landschaft, eines Baumes, eines Steines mit der Kamera zu erfassen. In den letzten Jahren haben mich diese Reisen nach Island, Frankreich, Neuseeland und immer wieder in die Wüstengebiete der USA geführt. 

Ich habe bisher meine Bildbände und Kalender immer mit einer 6×6 Hasselblad und einer 6×12 Linhof Technorama gemacht. Jetzt bin ich dabei in die digitale Fotografie umzusteigen. Ich genieße es, digital die Welt noch einmal neu zu entdecken. Daraus scheint sich ein neuer Fotostil zu entwickeln. Der große Wandkalender 2010 wird die neue Richtung ausdrücken. Er ist schon fertig und wird Ende des Sommers 2009 erscheinen.

Inzwischen sind unsere beiden Töchter 40 und 37 Jahre alt.  Kira hat Psychologie studiert, verdient aber ihr Leben als Performance Künstlerin. Sie macht viel mit Feuer und tanzt in der Luft. Wen das interessiert, kann sie auf ihrer website besuchen: http://www.firebelly.org   Zilya, deren Namen wir zu ihrer Geburt mit „S” schrieben – sie hat sich inzwischen wegen der englischen Aussprache für das „Z” entschieden –  ist Ingineur geworden und arbeitet  bei BC Hydro, der Stromversorgung für die Provinz, in der wir leben. Beide wohnen in Vancouver und so können wir uns häufig sehen. 

Schon früh in meinem Leben hat es einige Themen und Beschäftigungen gegeben, die mich erfüllt und begleitet haben. Durch sie und mit ihnen haben Waltraud und ich unser Leben gestaltet. Wir haben sie miteinander geteilt und sie haben uns miteinander verbunden.

Spiritualität ist sicherlich das erste große Thema. Die spirituelle Sicht der Welt hat mich seit meiner Jugend interessiert. Schon als Teenager waren mir Fagen um Gott wichtig, aber ich merkte immer mehr, dass die religiöse Ausrichtung, in der ich aufgewachsen war, nicht reichte. Die inneren Bilder von Gott und Mensch waren mir zu eng. Ich konnte zunehmend nicht mehr in ihnen atmen. Ich brauchte größere Weite. Dabei leitete mich der Wunsch, echt zu sein. Das führte auch zu einer Art inneren Revolution gegen die überlieferten Glaubensinhalte. Es musste     eine Art von Frömmigkeit geben, die das Leben nicht verbot und die den Menschen einlud, wirklich er selbst zu sein. Es musste möglich sein, Gott nicht denken zu können – weil für mich Gott nicht abhängig ist von meinem Denken an ihn. 

Für mich ist Spiritualität nichts anderes als die Suche nach dem Kontext, in dem wir als Menschen leben. In dieser Suche stoßen wir immer wieder an Grenzen, oft sehr schnell. Wir versuchen diese Grenzen zu überwinden, wir wachsen über uns selbst hinaus und wachsen so in die spirituelle Suche hinein. Das ist, was uns glücklich und manchmal auch unglücklich macht.  

Für mich ist Spiritualität ist nie getrennt vom Leben – sie ist Leben. Es geht gerade bei der Spiritualität um Leben und Lebensqualität. Es ist darum seltsam und eine traurig-ironische Sache, dass für viele Menschen Spiritualität etwas Unwirkliches ist, das sie nicht interessiert. Es ist das Resultat einer Absplitterung. Da, wo Spiri­tu­alität institutionalisiert wird, läuft sie Gefahr, vom Leben getrennt zu werden. Und dann ist verständlich, dass viele kein Interesse daran haben. Ich war immer bestrebt „aus einem Stück” zu leben. Ich wollte nichts ausklammern. Es war mir wichtig alles mit allem zu verbinden. 

Schon früh in meinem Leben hat es einige Themen und Beschäftigungen gegeben, die mich erfüllt und begleitet haben. Durch sie und mit ihnen haben Waltraud und ich unser Leben gestaltet. Wir haben sie mitein-ander geteilt und sie haben uns miteinander verbunden.

Spiritualität ist sicherlich das erste große Thema. Die spirituelle Sicht der Welt hat mich seit meiner Jugend interessiert. Schon als Teenager waren mir Fagen um Gott wichtig, aber ich merkte immer mehr, dass die religiöse Ausrichtung, in der ich aufgewachsen war, nicht reichte. Die inneren Bilder von Gott und Mensch waren mir zu eng. Ich konnte zunehmend nicht mehr in ihnen atmen. Ich brauchte größere Weite. Dabei leitete mich der Wunsch, echt zu sein. Das führte auch zu einer Art inneren Revolution gegen die überlieferten Glaubensinhalte. Es musste     eine Art von Frömmigkeit geben, die das Leben nicht verbot und die den Menschen einlud, wirklich er selbst zu sein. Es musste möglich sein, Gott nicht denken zu können – weil für mich Gott nicht abhängig ist von meinem Denken an ihn. 

Für mich ist Spiritualität nichts anderes als die Suche nach dem Kontext, in dem wir als Menschen leben. In dieser Suche stoßen wir immer wieder an Grenzen, oft sehr schnell. Wir versuchen diese Grenzen zu überwinden, wir wachsen über uns selbst hinaus und wachsen so in die spirituelle Suche hinein. Das ist, was uns glücklich und manchmal auch unglücklich macht.  

Für mich ist Spiritualität ist nie getrennt vom Leben – sie ist Leben. Es geht gerade bei der Spiritualität um Leben und Lebensqualität. Es ist darum seltsam und eine traurig-ironische Sache, dass für viele Menschen Spiritualität etwas Unwirkliches ist, das sie nicht interessiert. Es ist das Resultat einer Absplitterung. Da, wo Spiri­tu­alität institutionalisiert wird, läuft sie Gefahr, vom Leben getrennt zu werden. Und dann ist verständlich, dass viele kein Interesse daran haben. Ich war immer bestrebt „aus einem Stück” zu leben. Ich wollte nichts ausklammern. Es war mir wichtig alles mit allem zu verbinden. 

Für mich ist Spiritualität nie getrennt vom Leben – sie ist Leben. Es geht gerade bei der Spiritualität um Leben und Lebensqualität. Es ist darum seltsam und eine traurig-ironische Sache, dass für viele Menschen Spiritualität etwas Unwirkliches ist, das sie nicht interes-siert. Es ist das Resultat einer Absplitterung. Da, wo Spiri­tu­alität institutionalisiert wird, läuft sie Gefahr, vom Leben getrennt zu werden. Und dann ist verständlich, dass viele kein Interesse daran haben. Ich war immer bestrebt „aus einem Stück” zu leben. Ich wollte nichts ausklammern. Es war mir wichtig alles mit allem zu verbinden. 

Das Thema Spiritualität ist für mich mit Leidenschaft verbunden. Ich setze mich leidenschaftlich mit Gott auseinander und zusammen. Ich bin bereit, um der Echtheit und des Lebens willen nach neuen Gedanken zu suchen und nicht die alten, die für mich unlebbar geworden sind, immer wieder neu zu wiederholen. Ich bin bereit, alle Ansätze, Haltungen und Bekenntnisse ernst zu nehmen und ihnen nachzuspüren, von der Formulierung Dostojewskis, dass, wenn es Gott nicht gäbe, man ihn erfinden müsse, bis hin zur mystischen Verschmelzung mit Gott. Nichts ist mir zu klein und unwichtig oder zu groß und herrlich, wenn es ernst gemeint ist. 

Beziehung ist ein zweites ganz großes Thema in meinem Leben. Ich habe in meinem Leben viel über Beziehung geschrieben. 1974 erschien ein dünner Band mit dem Titel „Ich will dich lieben“, der schon die Richtung meines Denkens andeutete: Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern die Entscheidung zu einem gewissen Lebensstil. 33 Jahre später, 2007, erschien das Buch  „Unsere so lebendige Liebe“, Liebesgedichte für Ältere, das wie eine Ernte ist. In den Jahren dazwischen gab es viele Texte über was es heißen mag einander zugewandt zu sein. Es ist ein ungeheures Unternehmen, sich selbst treu zu sein, sich selbst zu entfalten und zu reifen – und doch dabei mit einem Menschen zu leben, der das auch tut, und dabei dann einander noch zu helfen! Immer wieder gibt es dabei Konfikte, die nicht lösbar zu sein scheinen. Sie dann doch zu lösen oder mit ihnen leben zu lernen, ohne dass sich dabei der eine oder andere opfert, ist die Herausforderung, der wir uns immer wieder gestellt haben. Es ist ein lebenslanges Programm. 

dabei mit einem Menschen zu leben, der das auch tut, und dabei einander noch zu helfen! Immer wieder gibt es Konflikte, die nicht lösbar zu sein scheinen. Sie dann doch zu lösen oder mit ihnen leben zu lernen, ohne sich dabei für einander zu opfern, ist die Herausforderung, der wir uns immer wieder gestellt haben. Es ist ein lebenslanges und zutiefst wertvolles Programm. 

Beziehung ist so zentral, dass das Leben eines Menschen stark davon betroffen ist. Die meisten erleben, dass wenn sie in ihren Primärbeziehungen (zum Partner, zu Kindern und Eltern, zu engen Freuden) eine gute Beziehung haben, dann können sie mit den Herausforderungen ihres Lebens meistens gut umgehen; und sind die Beziehungen nicht gut, scheint der Rest ihres Lebens darunter zu leiden.

Ich glaube, dass es in der Liebe gewissen Gesetzmäßigkeiten gibt, die es zu entdecken gilt.  Ein Beispiel: Man hat nur, was man loslässt. Was man festhält, zerrinnt einem in den Händen. Man kann keinen Menschen besitzen, und wo man es versucht läuft man Gefahr, ihn zu verlieren.

  Eine weitere Gesetzmäßigkeit: Eine Partnerschaft braucht einen größeren Kontext, braucht die Beziehung zu anderen Menschen. Ein Leben „zu zweit“ ist schwer zu leben, weil die Erwartungen an die Beziehung und an den Partner einen großen Druck ausüben. Eine Partnerschaft braucht darum manchmal weniger Exklusivität und mehr Inklusivität. Das heißt nicht gleich eine offene Ehe, wohl aber eine lebendige, liebevolle Beziehung zu mehreren Menschen, mit denen man das Leben wirklich teilen kann.

In letzter Zeit beschäftigt mich natürlich das Älterwerden sehr. 2008  bin ich 66 geworden. Ich merke, wie sich manches verschiebt und versuche dem auch schreibend nachzugehen. Ich hoffe 2009 ein ganz persönliches Buch über das Altern fertig zu machen. 

Die Entwicklung der Welt ist ein weiteres Thema, dass mich sehr interessiert. Waltraud und ich haben mit Erstaunen beobachet wie Barack Obama 2004 einen überzeugenden Vortrag gehalten hat, der schon andeutete, dass hier ein besonderer Mensch am Kommen war. Vier Jahre später ist er nun schon Präsident und manche nennen ihn den Präsidenten der Welt. Wir sind gespannt, was in den nächsten Jahren in der Welt geschieht. Wird es einen Quantensprung in unserer menschlichen Entwicklung geben? Wenn ja, wie wird diese Entwicklung aussehen? Wir sind offen für Überraschendes. 

Im Mai 2009 mache ich eine Tagung in Hannover zu dem Thema: „Lebendig, bewusst und reif in einer bewegten Zeit”. Ebenfalls im Mai 2009 mache ich eine Tagung im Sandkrughof bei Lauenburg über das Thema „Der neue Mensch”. In beiden Tagungen wollen wir uns mit dem beschäftigen, was auf uns zukommt und wie wir bewusst und gestaltend daran beteiligt sein können. Ich finde, es ist Zeit, neue Werte, Inhalte und Formen zu entdecken.

Die Schönheit der Welt

Ich finde Natur, besonders die unberührte Natur, die es nur noch an wenigen Stellen der Erde gibt, etwas ungeheuer Schönes. Ich selber bin in meinem Fotografieren immer wieder der Schönheit der Welt nachgegangen. Waltraud und ich haben darauf geachtet, dass wir immer so gewohnt haben, dass wir noch täglich mit der Natur in Kontakt kamen. Mein letzter großer Bildband heißt SCHÖNHEIT. Ich möchte die Schönheit in meinen Bildern betonen. Wir sind auf vielen Ebenen von Zerstörung umgeben und ich möchte mit meinen Bildern ein Gegengewicht setzen, auch wenn manche mir dann vorwerfen „heile Welt” zu machen. Ich glaube, von der heilen Welt der Natur  – die deswegen nicht weniger Leid und Schwere ausdrückt – geht etwas Heilendes aus. 

Bildband heißt SCHÖNHEIT. Ich möchte die Schönheit in meinen Bildern betonen. Wir sind auf vielen Ebenen von Zerstörung umgeben und ich möchte mit meinen Bildern ein Gegengewicht setzen, auch wenn mir dann vorwerfen kann, „heile Welt” zu machen. Ich glaube, von der heilen Welt der Natur  – die deswegen nicht weniger Leid und Schwere ausdrückt – geht etwas Heilendes aus.