Ich entdecke, dass die Liebe auch sehr einsam sein kann. Die Bereitschaft zur Einsamkeit muss da sein, damit die Liebe ihren Weg gehen kann. Dich zu lieben, heißt mehr und mehr, dich zu ermuntern, lebendig, groß, sanft, überzeugt, frei und dir selbst zugewandt zu sein. Es geht dabei nicht so sehr um das, was ich dir zu geben habe, sondern darum, dass ich bei dir stehe, damit du das von mir nehmen kannst, was dich mutig macht, du selbst zu sein. Meine Liebe ist die Kraft im Hintergrund, die sich selbst zurücknimmt und nicht Erwide­rung erwartet. Ich habe oft auf etwas von dir gewartet, und es kam nicht (ich sage das jetzt nicht als Vorwurf, sondern als Erklä­rung), und da habe ich gelernt, dass es nicht um Erwi­derung geht, sondern um dieses Ins-Leben-Rufen des andern. Erst wenn man den Wunsch nach Erwiderung ablegt, ist man fähig, dem anderen Geburtshelfer zu sein – und darum geht es ja: einander Helfer zu sein bei der Geburt in ein neues Bewusstsein. Ich habe lange gebraucht, um das zu begreifen, und auch jetzt habe ich noch, wie du weißt, Schwierig­keiten, es zu leben. Aber ich begreife mehr und mehr, dass das die Richtung ist, in die ich gehen will. Nur so lasse ich dich wirklich frei und setze dich nicht mit meiner Liebe gefangen.

Ulrich Schaffer

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